Maibrauchtum in Pier

Der Monatsname „Mai“ ist vermutlich romanischen Ursprungs. Danach wurde der Gott Maius als Beschützer des Wachstums verehrt. In Abwandlung wird der Monat Mai auch als Wonnemonat bezeichnet.

Zur Zeit des Mittelalters, in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, auch Walpurgisnacht genannt, war es weit verbreitet, zum Schutz vor Hexen und anderen schädlichen Einflüssen Mensch, Vieh und Gebäude durch Kreuze oder durch besprengen mit gesegnetem Wasser zu schützen. Die jungen Burschen zündeten Maifeuer an und veranstalteten anderen Lärm, um die bösen Geister zu vertreiben. Auch wird das Maitreiben von manchen Historikern auf keltischen Ursprung zurückgeführt, wo das Maifest ein Fruchtbarkeitsfest war, um den Abschied vom Winter zu begehen und den Frühling zu begrüßen.

In Anlehnung daran entwickelte sich vermutlich der Brauch, an einer gut einsehbaren und freien Stelle einen großen und auf verschiedenste Arten geschmückten Maibaum zu platzieren. Der bebänderte Maibaum ist im Rheinland bereits seit 1224 aus Aachen bezeugt. Die Junggesellen setzten ihren Mädchen zudem einen Maibaum vor ihr Fenster.

Die Maibraut wurde als blumengeschmücktes Mädchen beschrieben, das von ihren Altergenossinnen im Ort von Haus zu Haus geführt wird. Als Maikönig galt ursprünglich derjenige, der die Paare beim „Mailehen“ als ausrufender Vorsänger begleitete. Dieses „Mailehen“ wird auch heutzutage noch mancherorts gepflegt. Jungen und Mädchen wurden dabei durch Los, Urteil hiefür bestimmter Personen oder durch „Versteigerung“ einander zugeordnet. Der Begriff Mailehen umschreibt dabei die Ersteigerung der Gunst eines Mädchens durch einen Burschen für den Monat Mai. Beide sollen dabei in diesem Monat alle Festivitäten gemeinsam besuchen.

Die Versteigerungen wurden seinerzeit auf Marktplätzen, später in Wirtshäusern durchgeführt. Dabei wurden die ortsansässigen Mädchen vom sogenannten „Usklöpper“ namentlich ausgerufen und versteigert. Charakteristisch ist ferne eine auf spezifische Merkmale des Mädchens ausgelegt Umschreibung, wie z. B. „et kann joot bütze“, „du bis doch ne´ Bur, et hät och veel Köh“ oder „et hät joot Holz dafür“. Die so dargelegten Mädchen werden dem meistbietenden Junggesellen zugesprochen. Nicht an den Mann gebrachte Mädchen werden zum Schluß der Versteigerung als „Sack“ in einem Stück verkauft. Durch diese Ersteigerung erwirbt der Bursche das Recht, sein Mädchen im Monat Mai auszuführen oder zu besuchen. Dieses Recht soll für diesen Zeitraum keinem anderen zustehen. Für die Erhaltung dieser erkauften Gunst sind die Mairemmel, auch Maipolizisten genannt, zuständig.

Sinn und Zweck dieser Versteigerung war vermutlich, den jeweiligen Mädchen für den Monat Mai einen Schutz in Form des Maimannes an die Seite zu stellen.

Wir die Maigesellschaft Pier – Pommenich 1839 verfolgen heutztage in erster Linie sicherlich folgende Zielsetzungen:

  • Pflege von Sitten und Gebräuchen
  • Vermittlung von Zusammengehörigkeit, Geselligkeit und Verantwortung
  • Bindung der Jugendlichen an die Dorfgemeinschaft

Die Maigesellschaft Pier – Pommenich1839 wird alljährlich neu gegründet, wobei dabei die Schwerpunkte der Aktivitäten in den Vorbereitungen auf das anstehende Maifest liegen. Trotz der zunehmenden Technisierung in allen Bereichen des täglichen Lebens halten wir althergebrachte Handhabungen aufrecht, dazu zählt beispielsweise das Aufsetzen des Dorfmai`s mit Tauen und Leitern.

Ebenfalls erhährt die Tradition der Versteigerung unterschiedliche Auslegungen. So wird in „Moos“ versteigert, d. h. ein Moos entspricht dem Gegenwert eines bestimmten Geldbetrages.

Trotz unterschiedlichster Auslegungen des Maibrauchtums ist es dennoch ersichtlich, dass alle Abwandlungen letztlich das Ziel verfolgen, altes Brauchtum als wesentlichen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens aufrechtzuerhalten und an folgende Generationen weiterzugeben.